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Reviews

L. A. Noire: Was für ein Tag...

Es war mal wieder einer dieser verdammten Tage. Die Stadt unter meinem Büro flirrte im Sommersmog. Die Rechnungen auf meinem Schreibtisch stapelten sich und kein Auftrag in Sicht. Da kam SIE plötzlich durch die knarzende Tür mit der Aufschrift „PRIVAT DETEKTEI“. „Sie müssen mir helfen!“ sprach die Frau, die blonden Haare streng zurückgekämmt, der Stoff ihres Rocks umspielte ihre Kurven sanft. Der Blick verzweifelt in meine Richtung gewandt. „Womit kann ich dienen?“, fragte ich sie un umwunden und schaute direkt in ihre wunderschönen, angsterfüllten Augen. „Wissen Sie, es geht um dieses Spiel – 'L.A. Noire'.“ Sie setze sich auf den Stuhl mir gegenüber, den ich ihr angeboten hatte. „Worum geht es denn diesem 'L. A. Noire'?“, ich hasse es, der Kundschaft alles aus der Nase ziehen zu müssen. „Also, zunächst ist es ein eine Art Krimi, kein großer ganzer Krimi, sondern in kurze Episoden eingeteilt. Es sind 21 Fälle insgesamt. Ich spiele Cole Phelbs, einen Streifenpolizisten, der im Laufe des Spiels die Karriereleiter hinaufklettert bis ins Morddezernat und noch weiter, er wird „Wunderkind“ genannt, weil er so schnell befördert wird und seine Fälle gründlich sowie mit Anstand und Pflichtbewusstsein aufklärt. Das wirklich Interessante an L.A. Noire sind die Verhöre, die man mit Zeugen oder Tatverdächtigen führt. Die Entwickler haben sich dafür ein besonderes Feature ausgedacht, nämlich die sehr detaillierte und realitätsnahe Mimik der einzelnen Charaktere. Dass man dabei auch darauf achtet, möglichst viele unterschiedliche Figuren zu zeigen, merkt man als Spieler spätestens, wenn man das Booklet aufschlägt und die dreiseitige Schauspieler-Liste durchgeht.“ Sie sah mich unverwandt an. Ich wusste nicht genau, worauf sie hinaus wollte, aber was sie bisher von sich gab, erzählte sie mir mit bestem Wissen und Gewissen. Keine Heimlichkeiten, keine Lügen: „Fahren Sie doch fort, junge Frau, ich bin sicher Sie sind noch nicht am Ende Ihrer Geschichte angekommen. „Ja, es gibt da noch mehr. Das Gameplay zum Beispiel. Viele haben im Vorfeld der Veröffentlichung des Spiels einen Vergleich zu Rockstars Blockbuster-Reihe Grand Theft Auto gezogen. Ein GTA in den 1940ern und aus Polizeisicht. So etwas in der Art hörte man von Bekannten und auch aus der Fachpresse. Aber eigentlich ist es doch stringenter und linearer, man kann zwar von der Hauptmission generell abweichen und Nebenmissionen abschließen, die Cole Phelbs über Polizeifunk zugespielt werden, sofern man sich geografisch in der Nähe befindet. Aber sie nehmen eher weniger Platz ein als bei GT A, habe ich das Gefühl. Aber es gibt viele kleine Goodies im Spiel zu finden. Versteckte Autos, Filmrollen und Zeitungen – und gerade die Zeitungen sind spannend, denn sie erzählen selbst eine weitere Geschichte über einen Psychologie-Professor und einen seiner Studenten. Ich bin zwar noch nicht wirklich weit im Spiel gekommen, aber es scheint, als würden diese Zeitungsartikel den Background für den ganz großen Knall am Ende des Spiels liefern. Ansonsten nimmt sich L.A. Noire bei der Action etwas zurück. Es gibt Sequenzen, bei denen man mit Personen einen Faustkampf austrägt oder sich mit Verbrechern eine Schießerei oder eine (Auto-) Verfolgungsjagd liefert. Diese Sequenzen aber sind kaum ein Problem.“, dieses Mal schaute sie aber beim Beenden des Satzes auf den Boden und biss sich auf die Unterlippe, ihre Blicke huschten Verlegen durch den Raum, s ie vermied meinen Blick. Ein Indiz für mich, dass die Dame mir nicht alles sagen wollte, was sie wusste, sie wollte irgendwen schützen, aber warum? „Nun kommen Sie schon Schätzchen. Es nützt nichts, wenn Sie mir Informationen vorenthalten. Wie soll ich Ihnen denn sonst helfen? Was also verschweigen Sie?“ Sie war kurz erbost, das konnte ich ihr ansehen. Sie rutschte auf dem Stuhl von einer unbequemen Position in die Andere, knickte dann aber doch ein: “Naja, wissen Sie, ich will keine Spielverderberin sein, aber teilweise ist die Steuerung doch arg schwammig oder man verliert schnell den Überblick, wenn man eine Person verfolgt – egal ob per Pedes oder Auto. Allerdings macht das ja auch wiederum die Realitätsnähe aus. Das finde ich nicht gelungen. Aber dann macht L.A. Noire diesen Schnitzer wieder gut, indem es den unbeholfenen Spielern nach dreimaligem Scheitern die Option bietet, die Action Sequenz zu überspringen. Das muss man den Entwicklern zugutehalten. Und ja, ich habe von der Möglichkeit oftmals Gebrauch machen müssen. Dafür liegen mir die Verhöre viel besser.“ Ich konnte ni cht anders als gedanklich abzuschweifen. Was wollte diese Frau eigentlich von mir, fragte ich mich schon die ganze Zeit: „Aha.“ Sie ergriff wieder das Wort: „Ja, wirklich. Ich erwähnte bereits die äußerst detaillierten Mimiken der Schauspieler, bzw. ihrer virtuellen Konterparts. Das hilft dann in dem Sinne sehr, denn sie spielen manchmal etwas übertrieben, wenn sie lügen. Mit etwas Übung kann man dann schnell herausfinden, wann ein Charakter flunkert oder nicht. Vor allem richtige Unwahrheiten sind dann leicht zu entlarven, wenn man die entsprechenden Beweise an den Tatorten beisammen hat. Da muss ich auch sagen, fällt das Spiel etwas zu leicht aus, wenn man sich auf knallharte und lange Verhöre mit Winkelzügen und Ähnlichem gefreut hat. Um aber noch mal auf die Technik zu sprechen zu kommen. Das ist wirklich ein Eye Candy! Zumal ich beim Spielen immer wieder auf bekannte Gesichter aus Fernsehserien gestoßen bin. Ich finde es wirklich erstaunlich, was Team Bondi mit der Kameratechnik auf die Beine gestellt hat. Allein schon deswegen hat sich für mich das Spiel gelohnt. Ein weiteres Merkmal, das mich sehr begeistert hat, ist der exorbitant atmosphärische Soundtrack. Und damit meine ich nicht nur die lizenzierten Songs von den Musikgrößen der 1940er Jahre wie Billie Holiday oder The Inkspots, nein auch der Score des Spiels lässt die damalige Zeit - besonders das Lied beim Startbildschirm - in meinen Augen wiederauferstehen und man fühlt sich sofort dahin zurückversetzt. So eine perfekte Stimmigkeit zwischen musikalischer Untermalung und Spielgeschehen habe ich zuletzt bei Fallout New Vegas erlebt. Das ist etwas, was mir durch Mark und Bein gehen muss, damit ich komplett ins Spiel eintauchen kann. Und das hat L.A. Noire geschafft. Alles in allem finde ich, ist das Spiel rundum gelungen, vielleicht teilweise etwas einfach, aber dafür ein extrem einsteigerfreundliches Game für Sandbox Neulinge wie mich. Das haben Team Bondi und Rockstar richtig gut gemacht.“ "War das alles?", fragte ich, mittlerweile müde von ihrem Monolog. "Ja, ich denke, das war dann alles." Sie stand unvermittelt auf, "Sie haben mir sehr geholfen!", sagte sie, knallte einen Umschlag auf den Tisch und ging. "Inwiefern denn?", brüllte ich ihr hinterher, aber sie war schon aus der Tür. Ich griff nach dem Umschlag und zählte ein ordentliches Sümmchen. Egal, was sie wollte. Sie hat bezahlt, und zwar gar nicht schlecht. Ich lehnte mich wieder in meinen knarzenden Bürostuhl und goss mir einen Whiskey ein. Wenn doch nur jeder Auftrag so schnell vorbei sein könnte.

6. Juli 2011 · Nina

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